
Seitdem der Filmheld Marty McFly aus "Zurück in die Zukunft" sein Skateboard gegen ein Hoverboard eintauschte, steht das Jahr 2015 unter einem ziemlichen Erfolgsdruck: 1985 hielt man es offensichtlich für nicht unwahrscheinlich, die Schwerkraft für jedermann überwindbar zu machen und sich ohne Bodenhaftung umher bewegen zu können.
Was nun den aktuellen Entwicklungsstand angeht, gibt es eine schlechte und zwei gute Nachrichten. Die Schlechte vorweg: In keinem Geschäft oder Onlineshop dieser Welt werden Sie ein originales Hoverboard finden und kaufen können. (Falls doch, bitte sofort bei uns melden!)
Das Gute: Die Imagineers dieser Welt arbeiten trotzdem weiter unter Hochdruck. Dem amerikanischen Automobilhersteller Lexus ist es sogar gelungen, zumindest einen Prototypen eines Hoverboards auf der diesjährigen IAA in Frankfurt vorzustellen. Der funktioniert allerdings nur auf Magnetschienen. Für das Werbevideo hat man extra einen Skatepark in Barcelona komplett mit Magneten ausgestattet. Es ist allerdings davon auszugehen, dass es sich diesem Projekt eher um eine PR-Aktion der Firma Lexus handelt, die schon seit längerem gegen ihr angestaubtes Image kämpft.
Die andere gute Nachricht: Auch wenn die Zukunft noch nicht über dem Boden schwebt, so rollt sie doch auf elektrisch betriebenen Rädern und heißt Solowheel und Hovertrax. Wenn auch noch nicht StVO-tauglich – das würde ohnehin jeden Pioniergeist zerstören – so doch schnell, wendig und unheimlich cool. Das Solowheel hat einklappbare Fußrasten und Tragegriffe und ist so klein, dass man es in einem Rucksack transportieren kann. Das ist schon deswegen praktisch, da die Benutzung wegen der technischen Eigenschaften dieses Gefährts auf öffentlichen Verkehrswegen laut Straßenverkehrsordnung (noch) nicht erlaubt ist.
Und diese Regelung hat auch durchaus ihre Berechtigung. So entspricht die selbstbalancierende Funktionsweise der eines Segways. Gyrosensoren erkennen die Bewegung des Fahrers: wenn man sich nach vorne beugt, beschleunigt man, verlagert man das Gewicht nach hinten, bremst man ab. Das klingt zunächst einfach. Amateurtests haben jedoch gezeigt, dass es einiger Übung bedarf, bevor man überhaupt selbstständig auf- und absteigen kann.
Die Höchstgeschwindigkeit eines Solowheels liegt momentan bei 20km/h. Vergleicht man dies mit der Schrittgeschwindigkeit von maximal 7km/h, ist das schon ganz schön schnell- erhöht jedoch auch den Spaßfaktor, den ein Solowheel bei gekonnter Benutzung zu bieten hat. Und das für satte 20 km Reichweite pro Akkuladung. Dazu tragen auch die darin verbauten hochqualitativen und vor allem sicheren Lithium-Eisenphosphat-Akkus bei, die bis zu 1000 mal wieder aufgeladen werden können.
Hinzu kommt, dass die Ladezeit maximal 1,5 Stunden beträgt, sodass das Rad nach der Entladung schnell wieder einsatzbereit ist. Großes Plus: Beim Bremsen und Bergabfahren lädt sich der Akku von alleine wieder auf! Ähnlich verhält es sich mit dem Hovertrax. Ähnelt es Marty McFlys Hoverboard noch ein wenig mehr, ist es darüber hinaus leichter zu „bedienen“. Das liegt hauptsächlich daran, dass es im Gegensatz zum Solowheel über zwei Räder verfügt, die sich links und rechts des Trittbretts befinden. Ansonsten beschleunigt und bremst man ebenfalls durch Gewichtsverlagerung.
Auf dem Solowheel sei Anfängern empfohlen, zunächst auf Asphalt zu üben. Zum einen erleichtert die ebene Fläche das Fahren, zum anderen könnten sich bei einer Fahrt in unbefestigtem Gelände kleine Steinchen oder Grashalme im Rad verfangen oder das Rad abbremsen, was dann schnell zum Sturz führt. Das Hovertrax birgt nicht ganz so viel Gefahrenpotential, weil es nur eine Höchstgeschwindigkeit von 8 km/h erreicht und daher für unebenes Gelände und waghalsige Touren eher ungeeignet ist. Außerdem hat der Akku nur eine Reichweite von 14 km bei ökonomischer Fahrweise.
Für beide Geräte gilt jedoch uneingeschränkt: Hat man den Dreh einmal raus macht es sehr viel Spaß und ist das perfekte Gadget für Technikliebhaber und Sportbegeisterte. Durch die futuristisch anmutenden Designs und gerade, weil sie nur als Sportgeräte genutzt werden können, dreht es allen Kritikern der Elektromobilität nun endgültig den Gar aus und beweist, wie jung und modern dieses Thema ist.
Hier sei allerdings vor der Werbung verschiedener Onlinehändler gewarnt: Es handelt sich gerade bei einem Solowheel nicht um ein Gerät zur Benutzung von jung bis alt. Wer mit 25 ein Solowheel fahren konnte, dem wird es vermutlich auch noch mit 65 gelingen. Doch ob man es dann noch neu lernen kann, ist überaus fragwürdig. Auch wird oft damit geworben, Solowheel und Hovertrax eignen sich bestens, um damit durch die City zu cruisen oder zur Arbeit zu fahren. Aufgrund der besagten Einschränkungen in der Straßenverkehrsordnung, muss man bisher leider darauf leider verzichten. Die Hersteller werden jedoch nicht müde zu betonen, dass man mit Hochdruck an der entsprechenden Zulassung arbeitet. Wir dürfen also gespannt bleiben!
Bei den elektrischen Einrädern sehen wir im mittleren Preisniveau das Ninebot One E+, das derzeitige Mittelpreis-Flagschiff des Herstellers Ninebot. In weiß mit LED-Leuchtring, der in verschiedenen Farben erhältlich ist, lässt es auch Individualisten-Herzen schneller schlagen und kommt sogar mit einer App zur Wheel-Steuerung der Software-Updates daher. An dieser Stelle sollte noch darauf hingewiesen werden, dass Solowheel eigentlich der Markenname des elektrischen Einrads der Firma Inventist. Vertrieben wird es in Deutschland über monowheel-germany.de und ist preislich mit knapp 2.000 Euro im obersten Preissegment angesiedelt. Weitere Marken sind beispielsweise Monowheel, Citywheel, Monorover. Alle sind sowohl über die Onlineshops der Herstellerseiten zu erwerben oder aber über unser allseits bekanntes Amazon. Der Ninebot One E+ liegt bei etwas über 1.000 Euro, günstige akkubetriebene Einräder gibt es für ca. 500 Euro zum Beispiel von Monorover.
Das Hovertrax von Solowheel ist etwas günstiger als sein Bruder vom gleichen Hersteller, erleichtert den Käufer aber auch um rund 1.500 Euro.
Für Einsteiger bietet sich aus dem Hause Monorover der R2 Two Wheels mit knapp 600 an.
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