
Es gibt immer mehr Menschen, die auf den Radverkehr umsteigen. Daher gibt es auch in Deutschland seit etwa 2010 zunehmend Bestrebungen, Radschnellwege bzw. ähnlich gestaltete, qualitativ hochwertige Radwege zu etablieren. Durch den rasant wachsenden Markt der Elektromobilität, angeführt von E-Bikes und Pedelecs, muss in Zukunft mit ganz neuen Geschwindigkeiten gerechnet werden. Da werden die normalen Fahrradwege nicht mehr ausreichen. Eine Lösung dafür können Radschnellwege sein.
Die Schnellwege sollen Städte und Gemeinden besser verbinden und Pendlern helfen, schneller durch die Stadt zu kommen. Das Besondere an ihnen ist, dass man mit gleich bleibender Geschwindigkeit und relativ geringem Energieaufwand von A nach B kommt, da es keine Kreuzungen, enge Kurven oder nennenswerte Steigungen gibt. Sie sind so breit wie eine kleine Straße und der Fahrbahnbelag ist wunderbar eben. Fußgänger haben auf den Wegen nichts zu suchen. Im Ruhrgebiet sind erste Kilometer eines Radschnellwegs eröffnet worden, die nächsten soll es in Hessen geben.
Im Ruhrgebiet entsteht gerade der Radschnellweg RS1. Dieser ist rund 100 Kilometer lang und soll für Berufspendler eine attraktive Verbindung zwischen den Städten Duisburg, Mühlheim an der Ruhr, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Unna, Kamen, Bergkamen und Hamm bieten. Viele europäische Großstädte nehmen das Ruhrgebiet als Vorbild. 50.000 Autos weniger sollen dort pro Tag unterwegs sein, wenn der Schnellweg fertig ist. Das würde die Umwelt enorm entlasten. 2020 soll das der Fall sein.
Doch auch zwischen Frankfurt und Darmstadt ist ein 30 Kilometer langer Schnellweg geplant. Schon bald soll es einen von Frankfurt-Sachsenhausen durch Neu-Isenburg, Dreieich und Langen geben, der danach weiter über Egelsbach, Erzhausen und Wixhausen bis in die Darmstädter Innenstadt führt.
Eventuell kann in diesem Jahr schon ein Teilabschnitt fertig gestellt. Bis der Weg jedoch durchgängig befahrbar ist, könnten bis zu zehn Jahre vergehen. Der Radschnellweg zwischen Frankfurt und Darmstadt soll drei bis vier Meter breit werden und soll mit massiver Oberfläche ein Durchschnittstempo von mindestens 20 Stundenkilometern ermöglichen. An etwa 70 Prozent der Kreuzungen soll der Schnellweg die Vorfahrt bekommen. Auch ein Winterdienst soll auf den Strecken eingesetzt werden.
Im Ruhrgebiet steht die Entscheidung noch aus, wer die 180 Millionen Euro bezahlen wird, die für den Ausbau nötig sind. Sehr wahrscheinlich werden aber das Land und der Bund den Hauptteil der Kosten übernehmen. Der Regionalverband Frankfurt Rhein Main schätzt die Kosten des Radschnellwegs auf 8,4 Millionen Euro. Für einen einzigen Kilometer qualitativ hochwertigen Radschnellwegs fallen Kosten zwischen 500.000 Euro an, verglichen mit anderen Verkehrsbauten ist das allerdings wenig. Woher das Geld genau kommen soll, ist bisher noch ungeklärt. Nach Wunsch des Regionalverbandes, sollten auch Fördergelder vom Land kommen.
Hauptnutzer werden aller Voraussicht nach die Pendler sein. Aber auch für die Wochenenden und Feiertage werden Freizeitfahrer, wie zum Beispiel Familien mit Kindern erwartet. Da die Radschnellwege auch gleichzeitig von geübten und professionellen E-Bike- und Pedelec-Fahrern genutzt werden können, steht noch aus, wie dies auch sicherheitstechnischer Sicht realisiert werden kann. Denn auch dieser "Weg" ist noch nicht gänzlich geplant.
Wenn sich ein Fortbewegungsmittel in der Mitte der Gesellschaft etablieren soll, bedarf es einer ausgeklügelten Infrastruktur. Nur, wenn Jedermann einfach und schnell den Mehrwert erkennen kann, wird ein Umdenken in der Mobilität stattfinden. Wer dank eines Radschnellwegs mit dem E-Bike oder Pedelec schnell zur Arbeit und zurück kommt und dabei gleichzeitig noch Spaß hat, der wird mittelfristig auf Elektrofahrräder umsteigen. Ähnlich verhält es sich mit den Elektroautos, wo die nicht ganz flächendeckende Infrastruktur viele Menschen noch immer davon abhält, ihren teuren Diesel gegen ein günstiges Elektroauto zu tauschen.
Wir freuen uns auf die "Fahrrad-Bahn"! Wer weiß, vielleicht lauten zukünftige Radio-Meldungen ja "freie Fahrt auf der Bundesfahrradbahn F1"...