
Wer sich ein eigenes Haus bauen will, muss sich dabei an sehr viele Vorgaben halten. Besondern die Liste an EU-Normen für Energieeffizienz wird immer länger. Nun hat man sich, wie die Zeitschrift "Der Spiegel" vor ein paar Tagen berichtete in Brüssel etwas Neues ausgedacht, was in eine ähnliche Kerbe schlägt, gleichzeit aber ein anderes Projekt antreiben soll.
Die Idee ist die, dass Gebäude, die ab 2019 gebaut werden, mit einer eigenen Ladestation für Elektroautos versehen werden sollen. Grundsätzlich klingt das nach einer schlauen Idee, den Ausbau der Elektromobilität schneller voranzutreiben. Doch nicht nur aus finanzieller Sicht, kann dieser Plan auf Dauer zu einer großen Belastung werden.
Stellt man sich ein typisches freistehendes Einfamilienhaus mit einem kleinen eigenen Stelllplatz oder sogar einer Garage vor, klingt das ganze gar nicht so dramatisch- eine Steckdose mehr oder weniger. Bei Mehrfamilienhäusern, die von einem Bauträger errichtet werden, sieht die Sache jedoch schon ganz anders aus. Denn der wäre dazu verpflichtet, jedem Bewohner einen eigenen Stellplatz oder eine Ladestation in einer Tiefgarage bereit zu stellen. Auch für Reihenhaussiedlungen, wo nicht immer zu jedem Haus ein eigener Parkplatz gehört, könnte sich ein solches Vorhaben zu einer ziemlich stabilen Baubremse entwickeln.
Hinzu kommt: Nicht jeder, der in einer Großstadt in ein Mehrpersonenhaus zieht, braucht eine solche Ladestation. Wer sowieso nur mit öffentlichen Verkehrsmittel, dem Fahrrad oder E-Bike unterwegs ist, zahlt im Zweifel mehr Miete für eine Ladestation, die er nicht benutzt. Die EU-Kommission rechnet mit Kosten von durchschnittlich 75.000 Euro pro Ladestation. Einzige Einschränkung: Einfamilienhäuser und Gebäude in der Größenordnung müssen zumindest über eine entsprechene Vorverkabelung verfügen.
Kritik kam auch sogleich von der Immobilienwirtschaft. Brüssel pushe eine Technologie, deren Zukunft auf dem Markt noch nicht gesichert sei, sagte der Präsident des Eigentümerverbands Haus und Grund, Kai Warnecke. In der Abteilung für Elektroautos bei Renault zeigte man sich der Idee gegenüber natürlich sehr aufgeschlossen. Guillaume Berthier vom Sales und Markting des französischen Autobauers sieht in der Idee einen wichtigen und sogar notwendigen Impuls um der neuen Technologie endlich aus den Kinderschuhen zu helfen.
Peer Gutzmer, der Entwicklungschef vom Autozulieferer Schaeffler, sieht das Henne-Ei-Problem, das Brüssel wohl vom Häuslebauer lösen lassen will, nicht so dramatisch. Zwar gibt er zu, dass die Entwicklung der Elektromobilität kein Selbstläufer sei, ist aber der festen Überzeugung, dass vernünftige Imagearbeit zu einem Paradigmenwechsel führen kann. E-Auto Modelle zu fahren, müsse so cool werden, wie mit einem iPhone zu telefonieren. Und auch wenn er von Verboten nichts hält, werde der Weg zu mehr E-Mobility wohl nicht an Fahrverboten für Verbrenner vorbeiführen. Auch wenn Brüssel mit der Idee der verpflichtenden Privatladestationen wohl eher einen Bock geschossen hat, ist zumindest ein Gedanke nicht verkehrt: Das Reichweitenproblem, dass hinter diesem Vorhaben steht, kann man nicht allein der Automobilindustrie überlassen.