
Das sind zwei Nachrichten, die man sich zu Beginn des neuen Jahres lieber erspart hätte: Das E-Bike-Start-up Freygeist und das Fahrradwerk Mifa aus Sachsen-Anhalt meldeten beide vergangene Woche Insolvenz an. Die Ironie an der Geschichte: Es ist nicht lange her, dass beide Unternehmen eine gemeinsame Zusammenarbeit angekündigt haben. Dabei sah es sowohl für Freygeist als auch für Mifa im letzten Jahr noch wirklich gut aus.
Über 1,5 Millionen Euro waren im vergangenen Sommer in weniger als 100 Tagen für die E-Bikes von Freygeist über die Crowdfundingplattform Companisto zusammen gekommen. Wer einmal gesehen hat, wie ein Freygeist aussieht, wird dies leicht nachvollziehen können: Leichtbauweise, Design und komplett versteckter Akku hätten es zu einem stylischen Stadtbegleiter werden lassen können. Bisher wurden knapp 500 Pedelecs ausgeliefert, die bei 3.999 Euro pro Bike liegen.
Bergab ging es bei Freygeist, als ein schwelender Streit zwischen Gesellschaftern und den Gründern in der Einstellung eines neuen Geschäftsführers gipfelte. Denn auch der schied bereits Ende November 2016 - auch völlig zerstritten mit den Gesellschaftern - wieder aus, als absehbar war, dass die Zahlungsunfähigkeit nicht mehr abzuwenden war.
Wie es mit Freygeist in Zukunft weitergehen soll und ob es überhaupt noch irgendwie weitergeht, steht bisher nicht fest. Die zwei übrigen der ehemals sieben Mitarbeiter des Start-ups geben jedenfalls an, alles versuchen zu wollen, ihr Unternehmen zu retten.
Ein wenig mehr Hauch von Hoffnung strömt da schon durch die Räume der Mitteldeutschen Fahrradwerke „Mifa“. Erst im Dezember hatte die Mifa-Bike GmbH das neue Werk bezogen, wo ab Januar die Produktion beginnen sollte. So wollte der Eigentümer Heinrich von Nathusius die Mifa, die er bereits vor zwei Jahren mit dem Kauf des Werks vor der ersten Pleite gerettet hatte, zum kostengünstigsten Fahrradwerk Europas machen.
Nun hat von Nathusius seinen Posten als Geschäftsführer geräumt, will seinem Unternehmen aber weiterhin zur Seite stehen. Mit dem neuen Sanierungs-Geschäftsführer, dem Berliner Anwalt Joachim Voigt-Salus und dem zweiten Geschäftsführer Matthias Herold will das Unternehmen die Insolvenz durch Restrukturierung in Eigenregie in den Griff bekommen, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern. Die Bezahlung der 500 Mitarbeiter soll für die nächsten drei Monate gesichert sein.
Darüber, wie genau das Unternehmen dem Druck aus Fernost in Zukunft standhalten will, ist noch nichts bekannt. Dafür werden die kommenden drei Monate entscheidend sein.