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Erstmal ohne Pedale - von der Laufmaschine zum E-Bike in 200 Jahren

Technologie
11.11.2016 - von Julia Brinker
Bild: Technoseum Mannheim

Das Fahrrad ist, auch wenn man es vielleicht am ehesten den Niederländern zugetraut hätte, in seiner Urform eine deutsche Erfindung. Genau gesagt: eine Baden-Württembergische. Vor knapp 200 Jahren, also im Jahr 1817, baute der Mannheimer Forstmeister Karl Freiherr von Drais das erste Fahrrad, das er zunächst Lauf- oder Fahrmaschine nannte.

Was damals von den meisten als Spielerei abgetan wurde, feiert seitdem eine Erfolgsgeschichte, die auch seit einigen Jahren ganz aktuell mit dem E-Bike ungebrochen ist und von immer neuen Ideen angetrieben wird.

Mythos Fahrrad

Darüber hinaus ist das Fahrrad mehr als nur ein Fortbewegungsmittel: Es ist Lebenseinstellung und Kultobjekt, dass nebenbei noch der Gesundheit dient und im Sport immer wieder zur Polarisierung der Gesellschaft beiträgt. Es ist genauso zeitlos wie der Mode unterworfen und wenige Konsumgegenstände stehen so oft Jahr um Jahr unterm Weihnachtsbaum oder sind Grund, bei der Polizei Anzeige wegen Diebstahls zu erstatten. Wer einmal gelernt hat, damit zu fahren, wird es nie wieder vergessen. Und wird auch nie den Moment vergessen, wie es sich anfühlte, als zum ersten Mal die Stützräder abmontiert wurden.

13 Kilometer in einer Stunde

Als Karl Freiherr von Drais nun also im Jahr 1817 seine erste Fahrradtour unternahm, brauchte er für die 13 Kilometer, die er fuhr, eine Stunde. Und das ist schon eine respektable Leistung. Zwar suchte er sich wohlweislich die am besten befestigte Straße des Großherzogtums, doch mit einer Fahrradtour, wie wir sie kennen, war diese sportliche Ertüchtigung von Drais nicht ansatzweise zu vergleichen.

Eher Laufrad als Fahrrad

Sein Gefährt kann nämlich heute im wahrsten Sinne des Wortes „nur“ als VorLÄUFER des Fahrrads bezeichnet werden: Es besaß nämlich keine Pedalen, stattdessen musste man sich mit den Füßen vom Boden abstützen, um dadurch die Räder zum Rollen zu bringen und Geschwindigkeit aufzunehmen. Nach dem ähnlichen Prinzip funktionieren auch die Laufräder für Kleinkinder, die man oft mit beachtlichen Geschwindigkeiten vor ihren Eltern herflitzen sieht. Und auch wenn dieses Ur-Fahrrad noch ziemlich Primitiv erscheint: Es verfügte bereits über eine Vorderradlenkung, sowie bald auch über eine Bremse, die mittels Seilzug und Bremsklotz das Hinterrad zum Stehen brachte.

Europäisches Gemeinschaftsprojekt

Was die weitere Professionalisierung und dann auch Popularisierung des Fahrrads angeht, ist die deutsche Erfolgsgeschichte allerdings an dieser Stelle schon wieder beendet. Die ersten Pedalen erfand ein Franzose, Luft in die Reifen brachte der Engländer John Dunlop. Und heute ist Kopenhagen die Stadt, die am meisten für Fahrradfahrer tut: Fahrradfahrer-Ampeln mit Haltegriffen an sämtlichen Kreuzungen, vier Meter breite Fahrradwege, ja sogar Mülleimer haben einen Öffnungswinkel, der es Fahrradfahrern leichter macht, etwas hinein zu werfen.

"Kopenhagenisierung" ist das Stichwort

Andere Großstädte wie Paris, München, New York oder auch Moskau sprechen bereits von „Kopenhagenisierung", wenn es darum geht, die eigene Stadt fahrradfreundlicher zu machen. Und auch aus innovativer Sicht lassen die Dänen sich nicht auf die hinteren Plätze verweisen. So hat ein Unternehmen aus Sonderborg ein E-Bike ohne Kette und Gangschaltung entwickelt, bei dem man mit den Pedalen sozusagen direkt in den Motor tritt um die Energie zum Fahren zu erzeugen. Bisher existiert es leider nur als Prototyp - wenn es konkretere Infos gibt, gibt es die hier auf Greenfinder.

Ausstellung beleuchtet die Fahrrad-Geschichte

Das Technoseum in Mannheim nimmt in einer Ausstellung, die am 11.11.16 startet und bis Ende Juni 2017 läuft, die bewegte Geschichte des Fahrrads unter die Lupe - und zwar von den Anfängen ohne Pedalen bis zum heutigen Entwicklungsstand mit Motor. In einem gleichzeitigen Rahmenprogramm werden überdies zahlreiche Veranstaltungen angeboten rund um das Thema mit dem Titel der Ausstellung „2 Räder - 200 Jahre“ zum Zuhören, Anschauen, Anfassen und Mitmachen.

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