
Jaguar beweist in diesen Tagen, dass es nicht immer eine Krise sein muss, die einen Autohersteller zu neuen Innovationen zwingt. Manchmal sind auch Erfolg und schwarze Zahlen Wegweiser für künftige Entwicklungen. Bleibt VW als Weg aus dem massiven Glaubwürdigkeitsverlust durch die Abgasaffäre kaum etwas anderes übrig, als endlich in Sachen E-Mobility etwas vorzuweisen, sieht Jaguar sich ausgerechnet wegen der hohen Verkaufszahlen genötigt, sich dem Elektroboom anzuschließen.
Dafür hat man, so wird es zumindest kolportiert, auf einem weißen Blatt Papier begonnen und ein Modell entwickelt, dass von Anfang an kompromisslos als Elektroauto gedacht ist.
Vorgestellt wurde das iPace Concept pünktlich zur Los Angeles Motor Show und präsentiert sich als leistungsstarker SUV, der gleichzeitig mit einem 5-sitzigen Sportwagen mithalten kann. Damit zeigt Jaguar auch gleich die Marschrichtung vor: Die Spitze der Bewegung. So hat man es Designchef Ian Callum sagen hören. Wie es an der Spitze aussieht, weiß man bei Jaguar/ Land Rover bereits. So gut sogar, dass der Erfolg mit überwiegend in der Ober- und Luxusklasse angesiedelten Fahrzeugen mit Sechs- und Achtzylindermotoren wegen immer strengerer CO2-Vorgaben bald zum Verhängnis werden könnte.
Die technischen Abmessungen versprechen allerdings auch beim iPace ein Modell, das dem gewohnten Luxus der Verbrenner in nichts nachsteht. Das 400 PS starke Motorenpaket aus zwei zusammen gespannten 200 PS-Maschinen an Vorder- und Hinterachse soll 500 km Reichweite (NEFZ-Zyklus) liefern. Die Beschleunigung von Null auf 100 schafft der Allradantrieb mit 350 Nm in vier Sekunden. Dafür liefern 36 im Wagenboden liegende Blöcke von 12 flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Akkus mit zusammen 90 kW die benötigte Energie. Dadurch gewinnt der iPace eine Ladekapazität von anständigen 530 Litern und zusätzlich 38 Litern unter der Fronthaube.
An einem 50 kW Gleichstromanschluss lässt sich der Wagen in 90 min auf 80% seiner Kapazität laden, innerhalb von zwei Stunden sind 100% erreicht. Mit einem 150 kW Ladegerät sind sogar innerhalb von zehn Minuten 100 km Reichweite möglich. Optisch hebt sich der Elektroschlitten des britischen Luxusunternehmens mit einer modernen Interpretation des Cab Forward Designs von allem ab, was bereits in den Denkfabriken der E-Mobility entworfen wurde. So elegant hat noch niemand die Biederkeit gewisser Models aus Kalifornien enttarnt, die sich bisher zumindest äußerlich nicht vom typischen american way of life lösen konnten. Mit einer Gesamtlänge von knapp 4,70 m ist der iPace sogar noch einigermaßen kompakt.
Der Innenraum wurde mit 3 Touchdisplays, von denen das größte 30 cm misst, nach höchsten digitalen Ansprüchen entwickelt und auch das Finish mit Hochglanz und Lederverarbeitung dürfte sogar die Herzen traditionalistischer Jaguarexperten erwärmen. Bis die momentane Studie asphalttauglich in Serie gehen kann, wird es leider noch ein bisschen dauern. Angepeilt für den Start ist das Jahr 2018.
Hier geht es weiter zum großen Elektroauto-Vergleich.
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