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E-Bike-Verleih: Das sind die aktuellsten Pilotprojekte

E-Bike & Pedelec
29.10.2016 - von Julia Brinker
Bild: velocity-aachen

​Was bei Autos und Fahrrädern mit car2go, drivenow, nextbike und vielen weiteren Anbietern längst gängige und beliebte Praxis ist, hakt bei E-Bikes noch: Ein Sharing-System in Großstädten, wo via App ein Pedelec gemietet und nach der Fahrt an einem beliebigen Ort wieder abgestellt werden kann. Der Grund dafür ist hauptsächlich ein finanzieller. Trotzdem gibt es in einigen deutschen und europäischen Großstädten Pilotprojekte, die sich dem entweder widersetzen oder genau dieses Problem zum Gegenstand der Idee machen.

​Hannover, Aachen und Zürich: In diesen drei Städten gibt es  E-Bike-Verleihprogramme, die mehr oder weniger nach dem bekannten Sharing-Prinzip funktionieren. Wir haben uns angeschaut, wie diese in den einzelnen Städten umgesetzt wurden und wo die Unterschiede liegen.

Forschungsprojekt der Hochschule Hannover

Den analytischsten Zugang zum Thema E-Bike-Sharing hat die Hochschule Hannover mit ihrem Pedelec-Café. Es handelt sich dabei nämlich eher um ein Forschungsprojekt als um eine Möglichkeit für jedermann, schnell, unkompliziert und umweltfreundlich durch die Großstadt zu fahren. Nichtsdestotrotz ist der Fuhrpark, der Studenten und Mitarbeiter der HsH zur Verfügung steht, beachtlich. 51 E-Bikes, darunter Lastenräder, Cityflitzer, Tiefeinsteiger und sogar Dreiräder stehen bereits zum Verleih. Ausgeliehen werden können die Räder bis zu zwei Wochen und das Angebot ist kostenlos. Lediglich ein Fragebogen zur Datenerhebung muss vorher ausgefüllt werden. Außerdem sind die Pedelecs mit GPS-Trackern ausgestattet, die Verlauf, Länger und Dauer der gefahrenen Strecken messen. Man muss also damit einverstanden sein, dass, solange man auf dem E-Bike sitzt, nichts mehr im Geheimen passiert.;-)

Wie wirtschaftlich ist E-Bike-Sharing?

Erforscht werden soll damit hauptsächlich die Wirtschaftlichkeit solcher Verleihsysteme. Der betreuende Professor der Hochschule Lars Gusig sieht in dem langsamen Vorankommen von Verleihystemen als Gründe die hohen Investitionskosten bei einer gleichzeitig hohen Gefahr für Diebstahl und Vandalismus.

Velocity: Von der Bachelorarbeit zum Start-up

In Aachen, das mit der renommierten Universität allerdings auch als Wiege deutscher Ingenieurskunst bezeichnet werden kann, hält man sich an solchen Problemstellungen allerdings nicht lange auf. Trotzdem ist auch das inzwischen recht erfolgreiche und in Deutschland in der Form einzigartige Verleihsystem in einem universitären Zusammenhang entstanden. Insgesamt klingt es fast wie eine klassische Tellerwäscher-Geschichte: Zwei junge Studenten haben ihre Bachelorarbeit diesem Thema gewidmet, wodurch eine der deutschen Koryphäen in puncto E-Mobility, der Aachener Professor Achim Kampker, auf die beiden aufmerksam wurde. So ist seit 2014 das ursprüngliche Studi-Projekt ein Unternehmen geworden, dass Velocity heißt.

Aachen ist die ideale E-Bike-Stadt

Und wer schonmal in Aachen war, das manchmal auch gern Klein-San Francisco genannt wird, versteht den Erfolg von Velocity. Es geht bergauf und bergab- die ideale Geographie also für E-Bikes. Und weil die Gründer von Velocity nicht nur Unternehmer, sondern in erster Linie Techniker sind, haben sie die Verleih-E-Bikes direkt selbst entwickelt. Dadurch sind sie nicht nur perfekt auf die Anforderungen des Konzepts abgestimmt, auch Langfingern und Vandalisten wird es damit wesentlich schwerer gemacht.

Tagesmiete, Monats- und Jahresabo

Für die Miete gibt es verschiedene Angebote: Man hat die Möglichkeit, spontan ein Pedelec für 1,50 Euro pro 30 Minuten zu leihen, es gibt ein Monats- und ein Jahresabo. Die kosten jeweils 12 bzw. 6,50 Euro im Monat. Weiterführende Infos findet man auf der Homepage und auf Facebook. Sechs Stationen sind bereits im Testbetrieb einsatzbereit, der Bau weiterer Stationen läuft. Geplant sind 100 Stationen mit insgesamt 1.000 E-Bikes. Während der Testphase läuft der Verleih über die Bluecard, dem Studentenausweis der RWTH. Eine App wird bald folgen.

200 E-Bikes für Zürich

Der Schweizer E-Bike-Verleih, der gerade in diesem Monat in Zürich an den Start ging, ist das Projekt des Schweizer Versicherungskonzerns Mobiliar. 200 E-Bikes hat die Mobiliar seit Mitte Oktober in der ganzen Stadt verteilt. Mit der App kann man sich selber orten und sieht die im Umkreis verfügbaren Bikes. Auf- und abgeschlossen wird das Rad ebenfalls digital mit der App. Am Ziel angekommen, lässt man das E-Bike einfach stehen, ohne dass eine bestimmte Station angefahren werden muss.

Teurer Fahrspaß

Damit nicht auf einmal zu viele der E-Bikes an einem Ort stehen, gibt es so genannte Bewirtschafter, die dies beobachten und die Räder gegebenenfalls wieder in der Stadt sinnvoll und der Nachfrage entsprechend verteilen. Unter Anderem aus diesem Grund ist der Fahrspaß allerdings auch nicht ganz günstig. Die ersten 20 Minuten sind zwar kostenlos, aber danach kostet jede weitere, angefangene Einheit (immer 20 Minuten) 5 Schweizer Franken, was ca. 4,60 Euro entspricht. Momentan handelt es sich beim E-Bike-Sharing der Mobiliar um ein Pilotprojekt, dass erst im Erfolgsfall ausgeweitet wird. Wenn dann mehr E-Bikes zur Verfügung stehen, dürfte auch der Preis nochmal angepasst werden.

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