
Mit einem Umbausatz vom Fahrrad aufs E-Bike? Das klingt erstmal nach einem Besuch zum Umbau beim Elektrofahrrad-Händler. Der Umbau zum Pedelec dauert jedoch nur 10 Sekunden. Auch ein gewöhnliches Fahrrad kann mit einem innovativen Antrieb bestückt werden, der genau das Gefühl vermitteln soll, das man auf jeden E-Bikes und Pedelecs hat. Klingt nach Bastelei? Ja, aber die haben findige Entwickler bereits in Singapur übernommen. Und alles, was Sie davon sehen ist ein elegantes Alugehäuse, in dem Motor, Akku und Antrieb verbaut sind. Das ist das Prinzip des neuen Steckantrieb "EASE", der genau dafür konzipiert wurde. Der Clou: Die Montage der Umbausätze ist ohne Werkzeug und Vorkenntnisse möglich.
Innerhalb einer Großstadt müssen Menschen oft viele Kilometer zurücklegen, um morgens zur Arbeit zu fahren. Gerade in der Millionenmetropole Singapur kann sich das Fahrrad als eines der beliebtesten Verkehrsmittel trotz modernster Infrastruktur für Bus und Bahn behaupten. Einziger Nachteil: Bei den bisweilen tropischen Temperaturen kann so eine Fahrradtour auch sehr ermüdend sein. Wie praktisch wäre es also, wenn man ein wenig Rückwind einfach mit Rucksack mitnehmen könnte und bei Bedarf aktivieren?
So kam einem Doktoranden, der an einem Forschungsprojekt der Technischen Universität München und der Nanyang Technological University (NTU), genannt Tumcreate, die Idee, diesem Rückenwind einfach eine Aluhülle zu verpassen. Daraus wurde ein Antrieb, der an fast jedes Fahrrad passt. Dabei ist er sogar so leicht, dass man fast glauben könnte, die Hülle verstecke in der Tat nichts anderes als ein bisschen Rückenwind. In Wirklichkeit verbirgt sich darin aber alles, was auch an einem "richtigen" Pedelec verbaut ist: Motor, Akku und Elektronik.
So leicht der Steckantrieb mit sagenhaften dreieinhalb Kilo ist und so unkompliziert er montiert wird, so aufwändig war die Entwicklung. Eine der größten Herausforderungen für das Team waren die optischen Sensoren, die erkennen ob die Pedalen getreten werden. Bei einem E-Bike sind diese Sensoren in die Pedalen integriert. Beim ease hingegen musste es gelingen, sie in das Gehäuse einzubauen. Da das Ziel aber war, nur ein Gerät zu bauen, das ohne Zusatzeinheiten und Verkabelung auskommt, habe dies die meiste Zeit und Mühe gekostet. Hinzu kommt, dass man auf jeden Fall von Anfang an eine Straßenzulassung erreichen wollte. Und die gibt es nur, wenn der Antrieb wie beim Pedelec nur dann hilft, solange die Pedale getreten wird.
Bis alles so ausgereift ist, dass ohne Hindernisse und Komplikationen gefahren werden kann, gibt es den Ease-Umbausatz nur als funktionsfähigen Prototypen. Erste Testfahrer stellen beispielsweise fest, dass man bisweilen mit den Füßen beim Treten den Antrieb berührt. Hier müssen die Entwickler also nochmal ran und die Geometrie anders ausrichten. Auf der Agenda stehen zudem Smartphone-Integartion, Wegfahrsperre und Alarmanlage.Der Ease ermöglicht 25 km/h unterstütze Höchstgeschwindigkeit und verbirgt eine 22 Volt Li-Ionen-Batterie mit 10 Ah Kapazität und einer Höchstleistung von 250 Watt. Das bringt eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern nach 3 Stunden Ladezeit. Was der Steckantrieb kosten wird, steht leider noch nicht fest. Nur ein Rahmen von 500 bis 900 Euro wurde festgesteckt.
Wir sind schon jetzt vom Umbausatz EASE angetan, auch wenn er noch nicht fertig ist. Leider nennen die Ingenieure auch noch kein Datum, wann der Ease soweit ist, dass er die Serienreife hat. Aber vielleicht funktioniert er ja trotzdem schon auf eine andere Art: Als Antrieb für findige Entwickler, die ihre Ideen auch in die Tat umsetzten wollen.
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