
Der neue Global-Player Lucid Motors stellte am 15. Dezember in Fremont, Kalifornieren seine heiss ersehnte Elektromaschine vor. Das Flaggschiff mit 1.000 PS aus zwei Elektromotoren und einer Beschleunigung von 0 auf 100 in 2,7 Sekunden trägt den Namen „Lucid Air“ und ist konzipiert als „Privatjet auf vier Rädern“, so Technikchef Peter Rawlinson.
Für den Verkaufsstart sind zunächst nur 10.000 Exemplare geplant, bis zu 60.000 Einheiten sollen in den darauffolgenden drei bis vier Jahren nachrollen.
Das sind freilich keine Zahlen, die einem Unternehmen wie Tesla die Schweißperlen auf die Stirn treiben dürften. Zwei andere Aspekte machen den Air aber trotzdem zu einer relevanten Größe im Oberklassesegment. Zum einen heißt die Zielscheibe des jungen Konzerns mitnichten nur Tesla. Der Lucid Air, dessen Zielgruppe Unternehmensbesitzer und Führungskräfte sein sollen, richtet seinen Angriff ebenso auf Marken wie BMW und Mercedes. Die haben im Übrigen im dritten Quartal dieses Jahres in den USA zusammen weniger S-Klassen und 7er verkauft als Tesla von seinem Model S alleine. In Zahlen bedeutet das: 9.156 Tesla Model S verließen von Juni bis September die Verkaufsflächen, bei BMW waren es 3.634 Modelle der 7er-Serie, Mercedes landete bei 4.921 S-Klasse-Modellen. Die Bereitschaft, einen Verbrenner gegen ein gleichwertiges Elektroauto mit hoher Reichweite einzutauschen, ist also erkennbar vorhanden.
Viel wichtiger ist aber der andere Aspekt: Die Entzauberung von Tesla. Der Marktführer aus dem Silicon Valley bezieht derzeit noch das Abonnement, der einzige Hersteller von Elektroautos zu sein, von dem in Zukunft ernsthafte zukunftsweisende Entwicklungen ausgehen können. Mit einer eigenen Forschungsabteilung für autonomes Fahren und zahlreichen Entwicklern, die früher für Tesla gearbeitet haben, übt Lucid Motors mehr Druck auf die Branche aus, als mit 10.000 verkauften Neuwagen. Selbst die Reichweite von 600 km (NEFZ) ist zwar wichtig, auf dem Niveau aber sicher nicht mehr kriegsentscheidend.
Über einen ungefähren Preis für den Lucid Air sind noch keine konkreten Informationen bekannt, vermutet wird jedoch das für diesen Turbostromer die 100.000-Dollarmarke überschritten werden dürfte. Mittelfristig ist jedoch auch eine erschwinglichere Variante mit weniger Leistung und einer reduzierten Innenausstattung geplant- das bedeutet in diesem Fall allerdings immer noch gut 60- 70.000 US-Dollar. Bis der Lucid Air endgültig auf die Verkaufsflächen rollen kann, wird es allerdings noch ein Jahr dauern. Anvisiert ist das Frühjahr 2018. Außerdem muss der Konzern für die Fertigstellung noch stolze 700.000 US-Dollar auftreiben.