
Sie sind die Kategorie von Elektrofahrrädern, die die wenigste Akzeptanz finden: E-Rennräder. Für eine Sportart, bei der die reine Geschwindigkeit so sehr im Vordergrund steht, ist dies auch zunächst nachvollziehbar. Wo bleibt dann noch die Messbarkeit? Trotzdem trauen sich immer mehr Hersteller auf dieses gefährliche Gebiet. Was ist dabei heraus gekommen? Was sagen Menschen, die sich bereits ein E-Rennrad gekauft haben? Auch auf der Eurobike 2016 in Friedrichshafen waren einige spannende Modelle ausgestellt.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass es sich bei Rennrädern mit einem Elektromotor eher um Sport-, als um Freizeitgeräte handelt. Wer sein Rennrad auch für den Weg zur Arbeit genutzt hat und dabei auf Fahrradwegen jenseits des Autoverkehrs unterwegs war, darf sich nicht wundern, wenn er sich für das E-Rennrad eine neue Strecke suchen muss. Das liegt daran, dass E-Rennräder häufiger S-Pedelecs sind als andere E-Bikes. Das macht natürlich Sinn, da man mit ihnen ja auch schnell fahren will. Es führt aber auch dazu, dass sie zu den Kraftfahrzeugen gezählt werden und in der gleichen Kategorie wie Mofas geführt werden. Schnell findet man sich mit einem E-Rennrad also zwischen stinkenden Autos im Rush-Hour-Innenstadt-Stau wieder.
Außerdem ist es für viele Fahrer befremdlich, am Rennrad ein Kennzeichen und einen kleinen Rückspiegel anbringen zu müssen. Lässt man diese kleinen Schönheitsfehler aber außer Acht, kann der Fahrspaß beginnen. Und der ist nicht zu unterschätzen. Trotzdem braucht es mehr als bei anderen E-Bikes eine gute Übersicht und Fahrroutine. Dauerhaft auf einem Fahrrad mit über 40 km/h unterwegs zu sein, erfordert wesentlich mehr Weitblick als bei geringeren Geschwindigkeiten. Auch das ist einer der Gründe, warum es sich mit einem E-Rennrad eher lohnt, auf ausgewiesenen Strecken zu fahren, anstatt zusammen mit Autos im Stadtverkehr.
Das Haibike XDuro Race S Pro ist so ein Kandidat, der alle Vorteile, die ein E-Rennrad mit sich bringt, aber auch die Nachteile, die Radrennfahrer finden werden, in sich vereint. Einer der Hauptkritikpunkte ist das hohe Gewicht, denn das XDuro Race ist mit seinen 18,7 kg nicht gerade ein Leichtgewicht. Fahren ohne Motor macht also weniger Spaß. Ist aber, was man zur Verteidigung von Haibike dazu sagen muss, eh nicht im Sinne des Erfinders. Das S-Pedelec verfügt dafür aber über einen Bosch Performance Line Speed Mittelmotor, der schon richtig anzieht und die 40 km/h auch am Berg problemlos knackt. Die Nennreichweite liegt bei 100 km, was gut ist, aber auch sein muss. Denn im höchsten Modus bei voller Kraft halbiert sich die Reichweite praktisch. Der Fahrspaß hat sich dafür meist jedoch verdoppelt.
Ab Februar wird ein E-Rennrad von Vivax den Markt bereichern, dass auf den ersten Blick wirklich nicht ansatzweise wie ein E-Bike aussieht. Das Unterrohr ist unglaublich schlank, trotzdem ist darin noch der Akku versteckt. Ebenso gut versteckt ist der Motor, der sich völlig unsichtbar im Sattelrohr befindet. Das besondere am Antrieb des VIVAX PASSIONE CF DISC (so lautet der vollständige Name) ist die Motorsteuerung. So wird die Unterstützung des Motors nicht durch die Kraft, mit der man auf die Pedalen tritt, bestimmt, sondern durch die Trittfrequenz. Das mag am Anfang ungewohnt erscheinen, vermittelt auf Dauer aber das "echtere" Rennradgefühl und sorgt für konzentrierteres Treten. Ein zusätzliches Plus ist das Gewicht des Vivax. Es wiegt nämlich nur 10 Kilogramm. Damit kommt man auch ohne Motorunterstützung noch sehr nahe an das Rennradfahrgefühl heran.
Der Antrieb, der leider nur bis zu 25 km/h unterstützt ist 200 Watt stark, der Akku treibt ihn mit bis zu 180 Wh an. Die 22-Gang Kettenschaltung ist eine Shimano Ultegra.
Fazit: Wer hohe Geschwindigkeiten mag, gern draußen sportlich aktiv ist und grundsätzlich ein Fahrradfahrer ist, sollte sich zumindest eine Probefahrt auf einem E-Rennrad nicht entgehen lassen. Auch wenn man am Anfang skeptisch ist: Das Gefühl von Geschwindigkeit auf dünnen Reifen, ohne dass man danach völlig verschwitzt und ausgepowert ist, ist einzigartig. Nur ein Hinweis noch: Helm nicht vergessen!