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ELEKTROAUTO: WENN MYTHEN UND FAKE NEWS ZUR WAHRHEIT WERDEN SOLLEN (TEIL 2)

Technologie
17.01.2019 - von Markus Gelau

Eine Sau wird durch das Dorf getrieben. Das Elektroauto. Diese Technologie ist der Untergang des Abendlandes und das Schlimmste, was es jemals geben wird. Es muss schlecht gemacht werden. Weil einige es wollen? Unkenntnis wird zu Fake News, aus Behauptungen soll Wahrheit werden. Wir wollen einmal betrachten was da los ist....

BISLANG KEIN "VORSPRUNG DURCH TECHNIK"

Fest zu stellen ist ja ausserdem: Die deutschen Hersteller haben ja auch zunächst nicht viel an Elektrofahrzeugen am Markt gehabt und der vor Jahren gehypte BMW i3 ist mittlerweile verblasst. Ein paar technische Verbesserungen, die marktüblich sind und ein paar äussere Änderungen am Design. Mehr hat BMW nicht. 

Volkswagen macht aus dem Golf ein eGolf. Dieser ist technisch weitgehend überholt. Der Kleinwagen up, der zum e-up wurde, ebenfalls mit nicht zukunftsweisender Technologie. Und der I.D. der NEO und wie die Zukunft heissen soll, dauert noch.  

Dazu kommen Aussagen von der Politik, die sich ärgert, das in der ganzen Diskussion um Fahrverbote deutsche Hersteller kaum was liefern können, was der Markt jetzt braucht. 

Deutsche Hersteller und Elektrobus das passt noch nicht, aber auf kommunalen Ebenen wird viel versucht, Fahrverbote noch zu verhindern. So oder so. Was man versäumt und sogar verdrängt hat, wird jetzt zu einer Herausforderung. Für die Politik, die Bürgermeister und Landräte, für Hersteller und Zulieferer. Man hängt der Entwicklung auf jedem Fall mächtig hinterher. Förderungen, wie sie ausgelobt sind, gehen somit an andere Hersteller, nicht aber an eine deutsche Wirtschaft, die davon profitieren könnte.


DER HYBRID WIRD SCHÖN GEREDET UND IST TROTZDEM KEIN ELEKTROAUTO

Völliger Unsinn aus unserer Sicht: Hybrid Fahrzeuge. Sie gelten als Elektrofahrzeuge, mit (fast) allen Vorteilen wie reiner Stromer. Nur sehr selten würden wir dazu raten. Immer abhängig vom möglichen Fahrprofil. Wir müssen nur mal die technischen Möglichkeiten sehen und den ausgelobten Preis dazu. Aber, die Lobby wollte das so um dann behaupten zu können, wir haben soviel elektrifizierte Fahrzeuge.

Mehr als 70 Prozent dieser Fahrzeuge wurden bis 2018 in Großbritannien als Dienstwagen gekauft, 37.000 Stück insgesamt. Oft als Ersatz für Dieselfahrzeuge. Die erhobenen Daten des Unternehmens „Miles Consultancy“, die der BBC vorliegen, zeigen: Der Realverbrauch von 1500 untersuchten Hybriden lag bei etwas über sechs Litern pro 100 Kilometer. Laut Herstellerangaben hätte er aber nur bei knapp zwei Litern liegen müssen. Die reale Zahl bei uns wäre ja auch mal sehr interessant.


DER LAIE WILL EXPERTE SEIN
Und da ja, wie sooft, alles negativ gesehen wird, muss das Elektroauto auch negativ sein. Bei der Presse ist es so, die Politik will es auch nicht unbedingt und nach den Mythen werden viele zu Experten für Umwelt und Menschenrecht. Besonders anonymisiert in sozialen Medien. Komisch, dass es äusserst selten vorkommt, das Vergleiche mit einem Fahrzeug, das ÖL verbrennt, entweder gar nicht erst gemacht oder zugelassen werden. 

Komisch auch, dass die Faktenlage völlig verschoben scheint und noch komischer ist, dass man bei direkter Konfrontation nur zu selten eine fundierte Antwort der selbsternannten Experten bekommt. Die Frage ist also:  Wer streut welche Informationen und vor allem in welchem Interesse ? Auffällig ist: Behauptete Fakten, aus einem völlig irren Kontekt gezogen, sind jetzt die Information die bestätigen soll, was angeblich jeder weiss.

Wenn es oft nicht so traurig wäre, würden wir darüber lachen. Zumindest wundert uns nichts mehr.

Lithium, Kobalt, Kinderarbeit, seltene Erden, CO2 sind einige wenige Beispiele. Was wir da schon gelesen haben. Ob es an mangelnder Schulbildung liegt, wissen wir nicht. Aber Lithium hat nichts mit seltenen Erden zu tun, Kobalt heisst nicht automatisch Kinderarbeit, die „Schwedenstudie“ ist das Papier nicht wert, auf dem sie steht und bei CO2 geistert die Zahl „17“  in nahezu jeder Diskussion über die Klimafreundlichkeit von Elektroautos auf. Ein E-Auto-Akku sei demnach für über 17 Tonnen CO2 verantwortlich.

Höhepunkt war dann in den letzten Tagen ein Interview vom Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Niedersachsenmetall Volker Schmidt in der Osnabrücker Zeitung. Natürlich ein gefundenes Fressen für die  einschlägigen Fake-News-Portalen und von Elektroauto Gegnern als Argument in Social Media Gruppen genutzt.  

Und weil Herr Schmidt in diesem Interview ziemlich fadenscheinige und sogar falsche Informationen lieferte, hat sich emobicon mal mit einem postfaktischen Interview die Arbeit gemacht die Aussagen zu bewerten und vor allem inhaltlich richtig zu stellen. Das war und ist bitter nötig gewesen. Diesen Gastbeitrag haben wir hier noch einmal verlinkt. 


ROHSTOFF: LITHIUM
Der Salar de Atacama ist ein nordchilenischer Salzsee in der Atacama-Wüste. Nachdem dort schon weit vor dem Elektroauto und seit Jahrzehnten das Salz Kaliumchlorid in großen Verdunstungsbecken abgebaut wurde, begann man 1996 auch mit dem Abbau von Lithiumchlorid. Das ist ein Nebenprodukt der Kaliumchlorid-Förderung. Bei dem Vorgang wird das unterirdische, für den menschlichen Genuss ungeeignete Salzwasser in große Becken gepumpt, wo der Rohstoff mit Hilfe der Verdunstung durch Sonnenenergie konzentriert wird. Es kommt zu sekundären Lagerstätten. 

Das nun verdunstete Wasser wird wieder ersetzt. Durch ober- und unterirdische Zuflüsse sowie Regen nimmt dieser Salzsee  jährlich 172 Millionen Kubikmeter Wasser auf. Rund  27 Millionen Kubikmeter Wasser werden für die Landwirtschaft entnommen. Ob durch die Förderung der Grundwasserspiegel sinkt, ist nicht eindeutig, denn 7,7 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr sind eine ziemlich geringe Menge im Wasserhaushalt des Sees. Eine minimale Wassermenge wird zu Trinkwasser. Hier kommt es drauf an mit Nachsicht zu operieren, denn sonst könnte der See „kippen“. Ein Problem anderer Art haben wir in der politischen Frage:

Chile hat Anfang 2018 dem privaten Bergbauunternehmen SQM, früher Soquimich, die Erlaubnis erteilt, bis 2030 Lithium abzubauen.Einst ein staatliches Unternehmen wurde es während der Militärdiktatur unter Pinochet in den 1980er-Jahren privatisiert. Seitdem befindet es sich in Händen der Familie des ehemaligen Diktators. In den vergangenen Jahren wurde mehrfach gegen Soquimich ermittelt – wegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung und illegaler Wahlkampffinanzierung.

Nun, das alles war bereits bekannt, bevor Elektroautos in den Focus rückten und der Rohstoff wurde schon weit vorher genutzt, bevor das Elektroauto kam.

Fakt ist: Wir brauchen Lithium. Nicht erst seit dem Elektroauto, sondern schon sehr viel länger. Denn Lithium wird für weit mehr Produkte gebraucht, als die meisten wissen. Aber es ist ja leicht den Rohstoff nur in Verbindung mit dem Elektroauto zu bringen. Man sollte vielleicht wissen:

Schmierstoffe, auch für das Fahrzeug mit Verbrennungsmotor enthalten Lithium. Jede Klimaanlage, auch die in einem Fahrzeug, enthält Lithium, Jedes Glas, in Fensterscheiben, im Auto, das Trinkglas etc  enthält Lithium. Und auch der viele Kunststoff, den wir alle täglich benutzen, enthält Lithium. Und nicht zu vergessen, das Laptop, der PC, das Smartphone, das Tablet mit dem Sie hier diesen Beitrag lesen hat Lithium als verbauten Rohstoff im Glas, im Akku, in verbauten Legierungen der Technik. In rund 100 weiteren Anwendungen wird Lithium verwendet.

Und falls Sie sich heute Abend die Zähne mit einer elektrischen Zahnbürste putzen, vergessen Sie nicht den Gedanken an Lithium darin. Auch in Medikamenten finden sich Lithium oder Lithium Verbindungen. Fragen Sie Ihren Apotheker danach oder schauen Sie sich die Packungsbeilage an.

Damit ist auch hier klar: Lithium ist ins Bewusstsein der Menschen zurück gekommen. Aber Lithium gab es und gibt es schon länger in Produkten, die wir alle kennen und nutzen. Die vorgeschobenen und falschen Informationen über Lithium sind auch hier widerlegt. Ja, die Gewinnung von Lithium greift in die Natur ein, jedoch viel weniger als die Ölförderung mit all den Begleiterscheinungen. Das wird immer ausgeblendet – davon will man selten was wissen. Man hat sich damit eingerichtet und nimmt es ganz offenbar so hin wie es ist.

Es ist also nicht die Schuld der Elektromobilität, das Lithium abgebaut wird, aber durchaus gibt es die Notwendigkeit des Handelns.

Hier noch eine interessante Zahl, damit man mal eine Vorstellung hat: Ein Lithium-Ionen-Akku im Elektroauto benötigt nur eine sehr geringe Menge an Lithium. Der typische Akku in einem Tesla Model S wiegt zum Beispiel etwa 600 Kilogramm, davon entfallen etwa 10 Kilogramm Gewicht auf das Lithium – damit hat Lithium nur einen Anteil von 1,67 Prozent am Gesamtgewicht des Tesla-Akkus. Unter dem Strich werden nur 150 Gramm Lithium pro Kilowattstunde Batteriespeicherkapazität benötigt.


Anmerkung der Redaktion: Bei obigem Text handelt es sich um Teil 2 von 3. Teil 3 veröffentlichen wir an dieser Stelle am 20. Januar 2019. Aussagen des Autors spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Greenfinder.de-Redaktion wieder.


AUTOR: emobicon

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