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Das "reine" Elektroauto - Nur Strom, sonst nix?

E-Auto
04.12.2015 - von Julia Brinker
Elektroauto von Smart mit Greenfinder auf der IAA Frankfurt

Fast 44 Millionen Autos sind aktuell auf deutschen Straßen registriert. Das sind so viele, wie nie zuvor. Verwunderlich ist es dies nicht, leben die Deutschen im Mutterland der Automobilindustrie und sind gefühlte Autofahrernation Nummer eins. Doch auch in puncto Umweltschutz und CO2-Kontrolle hat sich die Bundesrepublik in den letzten Jahren stärker bemüht, die Vorreiterrolle zu erkämpfen. Zumindest scheint es so.

Und noch eine Zahl ist interessant: Im Februar 2014 hat das EU-Parlament eine neue Begrenzung für den CO2-Ausstoß von PKWs beschlossen. Ab 2020 darf dieser nicht mehr als 95 Gramm pro Kilometer betragen. Das entspricht entweder 4,0 Liter Benzin bzw. 3,5 Liter Diesel. Ein ehrgeiziges Vorhaben. Umso mehr wird in den nächsten Jahren der Fokus auf den Neuentwicklungen in Bereich der Elektroauto-Modelle liegen. Hier lautet das Zauberwort „lokale Emmission“. 

Akkutechnologie, Alltagstauglichkeit und CO2-Bilanz

Mit diesem Argument werben die Automobilhersteller, wenn die Umweltfreundlichkeit für den Kauf eines Elektroautos ins Feld geführt wird. Werfen wir also einen genaueren Blick auf die Themen, die das Elektroauto interessant machen: Akkutechnologie, Alltagstauglichkeit und CO2-Bilanz. Wie unschwer zu erraten ist, verdankt das Elektroauto seinen Namen dem Motor, der es antreibt. Dieser Elektromotor zieht seine Energie über einen Regler aus dem Akku. Damit sind bereits die drei Hauptkomponenten eines Elektroautos genannt.

Beim Elektroauto geht es um den Lithium-Ionen Akku

Davon ist der Akku der Hauptgrund, den die Autobauer nennen, fragt man nach der langsam fortschreitenden Entwicklung strombetriebener Fahrzeuge. Hauptsächlich sind es Lithium-Ionen-Akkus, die in modernen Elektroautos verbaut werden. Durch die verhältnismäßig hohe Energiedichte können bei dieser Akkuform die höchsten Reichweiten erreicht werden. Trotzdem wurden die 200 Kilometer-Marken – je nach Klasse – bisher selten geknackt. Lithium-Ionen Akkus haben neben vielen Vorteilen auch den Nachteil, dass ein zu langes Laden die Gefahr der Überhitzung birgt.

Tesla Vorreiter - Bosch zieht nach

Diesem Problem rückt der amerikanische Autobauer Tesla zu Leibe, indem er anstatt eines Akkus viele kleinere verbaut. Das führt allerdings zu einem besonders hohen Gewicht dieser Elektroautos, was sich negativ auf den Verbrauch auswirkt. Gespannt blickt man deshalb nach Gerlingen in Baden-Württemberg, wo der Hauptsitz der Firma Bosch liegt. Der Automobilzulieferer hat auf der diesjährigen IAA eine neue Batterie-Technologie vorgestellt, die bis 2020 Realität werden soll.

Verdopplung der E-Auto Reichweite in Sicht?

Ziel ist es, die Reichweite eines Elektroautos  zu verdoppeln, während man das Gewicht des darin verbauten Akkus halbiert. Das Batteriepack im aktuellen VW e-up mit 18,8 kwh wiegt derzeit 230 kg- mit neuer Bosch-Batterie sollen es nur noch 115 kg sein. Und für den BMW i3 oder den Nissan Leaf werden bis zu 300 km Reichweite möglich sein- derzeit sind es 150 km. Sollte sich diese Technologie wirklich so entwickeln, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Elektroautos bald ihr schlechtes Zweitwagenimage verlieren. Momentan liegt eine Autobahnfahrt mit den wenigsten Stromern im Bereich des Möglichen, weil sie zu schnell entladen sind. Und selbst wenn man eine Ladestation gefunden hat, wird es kaum unter drei Stunden möglich sein, bis der Akku wieder voll ist. 

Wie gut ist die CO2-Bilanz des Elektroautos?

Und die steht es um die leidige Frage der CO2-Bilanz? Was die bereits angesprochene „lokale Emmission“ angeht, liegen Elektroautos im Rennen gegen die Verbrenner weit vorne. Ein Elektrowagen, der mit Ökostrom geladen wurde, bewegt sich praktisch emmissionslos voran. Lädt man seinen Wagen jedoch mit dem üblichen deutschen Strommix auf, bei dem pro Kilowattstunde 601 Gramm CO2 entstehen, kommt ein Nissan Leaf in der Gesamtbetrachtung auf gut 106 Gramm je Kilometer. Das ist zwar wesentlich weniger als ein VW Golf „ausstößt“, der in der Endbilanz auf gut 200 Gramm je Kilometer kommt, liegt aber immer noch über dem ab 2020 verordneten Wert von 95 Gramm.

Batterie-Herstellung immernoch umweltschädlich

Hinzu kommt der hohe Energieeinsatz bei der Herstellung der Batterien. Hier ist oft vom „energetischen Rucksack“ die Rede. Das IFEU in Heidelberg rechnet mit ungefähr 125 Kilogramm CO2-Emmission für eine Stunde Batteriekapazität. Für den Nissan Leaf mit 24 Kilowatt wären das stolze 3 Tonnen. Hinzu kommt die CO2-Emmission, die bei der Produktion des Motors anfällt. Diese fällt allerdings deutlich geringer aus als bei einem Verbrennungsmotor. Im Vergleich mit einem Golf-Benziner muss man mit dem Nissan Leaf etwa 28.000 Kilometer fahren, um die schwarze Umweltnull zu erreichen. Das klingt zunächst erschreckend, doch hier spielt die Zukunft in die Hände der Technik. Gemessen an ihrem Entwicklungsstand ist die Elektromobilität eine vergleichsweise junge Technologie, bei der noch viel Luft nach oben ist. Wir dürfen also gespannt bleiben, wo wir 2020 stehen – und wie viele Kilowattstunden wir bis dahin bereits zurück gelegt haben. 

Zum großen Elektroauto-Vergleich von Greenfinder.

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